Schule vergeigt. Ausbildung vergeigt.
Also Leben vergeigt?

Die Produktionsschulen in Deutschland sind deine dritte Chance zum Beruf

5. Mai 2022
Bundesweiter Aktionstag Produktionsschulen und Jugendwerkstätten

Der Bundesverband Produktionsschulen ruft am 5. Mai 2022 zum bundesweiten Aktionstag der Produktionsschulen und Jugendwerkstätten auf. Die Produktionsschulen und Jugendwerkstätten haben aktuell wieder die Möglichkeit ihre Türen zu öffnen und wollen uns wieder in Erinnerung bringen und lokal zeigen.

Die Coronakrise wirkt sich seit über 2 Jahren auf die Lebens-, Lern- und Arbeitssituation unserer jungen Teilnehmenden und Mitarbeiter:innen aus. Unser Lern- und Förderangebot findet unregelmäßig in Fern-, Präsenz- und Wechselform statt. Die Situation der Jugendlichen in Deutschland insgesamt hat sich seit dem Jahr 2020 noch dramatisch verschärft. Verschiedene Lockdowns mit massiven Einschränkungen liegen hinter uns. Dies wirkt sich auch auf die Begleitung und Unterstützung von Jugendlichen im Übergang von der Schule in den Beruf aus. Agentur für Arbeit und Jobcenter sind quasi geschlossen, eine regelhafte Berufsberatung findet nicht statt. Das direkte Angebot einer entsprechenden Beratung und Vermittlung fehlt vielen Jugendlichen. Es zeigt sich vor allem durch die sinkende Zahl von Bewerber*innen um einen Ausbildungsplatz bei einer gleichbleibenden Zahl an Schulabgänger:innen. Zudem weichen Jugendliche auf zum Teil für sie persönlich unpassende schulische Alternativen aus oder bleiben ohne entsprechende Alternative dem Ausbildungssystem fern. Im letzten Jahr hat die Zahl der Altbewerber*innen zugenommen, sodass diese zusätzlich um einen Ausbildungsplatz konkurrieren. Gleichzeitig setzt sich seir 2021 die Verschlechterung der Situation am Ausbildungsmarkt fort. Die erwartete Zahl von Ausbildungsplatzangeboten ist noch stärker rückläufig als im Vorjahr. Es ist davon auszugehen, dass die Zahl der unversorgten Bewerber:innen stark steigen und eine noch höhere Zahl von jungen Menschen in 2022 ohne Ausbildungsplatz bleiben wird.

Unser Bildungssystem produziert noch immer jährlich eine hohe Zahl an Verlierern. Sei es, dass sie ganz ohne Abschluss die Schule verlassen oder mit einem schlechten Hauptschulabschluss. Für die Zielgruppe benachteiligter Jugendlicher gibt es entgegen den Erwartungen der Erwachsenenwelt keine Karriere oder stabile Übergänge in ein existenzsicherndes Erwerbsleben. Und die Pandemie verstärkt diese Tendenz.
Das BIBB stellt fest, dass vor allem in besonderen gesellschaftlichen Situationen (z. B. sprunghafter Anstieg der Zahl geflüchteter Menschen ab 2015, das Übergangssystem jedoch immer wieder an Bedeutung gewinnt. Es ist zu erwarten, dass dies auch durch die Auswirkungen der Coronapandemie erneut erkennbar wird.

Der Bundesverband Produktionsschulen fordert, wie aktuell das BIBB, dass das Übergangssystem als dauerhafter Teil beruflicher Bildung auszugestalten und als Chancenverbesserungssystem anzulegen. Ein Chancenverbesserungssystem setzt an den individuellen Potenzialen an, ist dualisiert, macht Lernfortschritte sichtbar und ist durch regionale Zusammenarbeit geprägt.

Das beinhaltet auch eine personell stärker aufgestellte Begleitung des Übergangs Schule/Berufsvorbereitung in Ausbildung. Eine Ausbildungsgarantie muss jetzt eingelöst werden!

Wir wollen daran mitwirken. Mit ihrem hoch anregenden Bildungskonzept geben die Produktionsschulen und Jugendwerkstätten genau jenen Menschen eine Chance für eine berufliche Perspektive, die jetzt im Regen stehen gelassen werden.

In Deutschland sind es etwa 8.000 Jugendliche im Jahr, die den Weg über die dritte Säule Produktionsschulen nehmen, um ihre Ausbildungs- und Beschäftigungsfähigkeit zu verbessern. Wir sind also weiter wichtig und sollten bei steigendem Bedarf noch wichtiger werden.

Mittlerweile arbeiten schon fast 200 Produktionsschulen in Deutschland. Es sind immer noch zu wenig. Eigentlich gehört eine Produktionsschule in jede Stadt. Wir arbeiten dran.

Informieren Sie sich über ihre Produktionsschule vor Ort und werden Sie unser Fürsprecher.

Das neue Video:
Was machen Produktionsschulen eigentlich anders?

Wie gut ist ein Bildungssystem, das Jahr für Jahr 80.000 Menschen im Stich lässt?

Deutschlands Ausbildungssystem gilt als eines der besten der Welt. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass unser Bildungssystem jedes Jahr 80.000 Menschen im Stich lässt*. Weil es keine Alternative parat hat zu Schule plus Studium und Duale Ausbildung in Betrieb und Berufsschule, um ins Berufsleben zu kommen.

*Quelle: Bertelsmann Stiftung, Gütersloh, August 2017: 80.000 junge Menschen gelten als „unversorgt“, da sie keine Lehrstelle erhalten haben und kein Studium beginnen.

Ohne Produktionsschulen ein wackeliges Modell

Das deutsche Bildungssystem bietet keinen fest etablierten dritten Weg ins Erwerbsleben an. Ein wackeliges Modell auf zwei Beinen.

Wer als junger Mensch auf den beiden etablierten Wegen Schule plus Studium und Betrieb plus Berufsschule nicht zum Beruf findet, fällt raus. Erst aus dem Bildungssystem. Später aus dem Erwerbsleben. Am Ende aus unserem gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Die Produktionsschulen in Deutschland ändern das. Sie bieten eine Alternative: eine echte dritte Chance zum Beruf. Und bilden damit die wichtige dritte Stütze im deutschen Bildungssystem.

Du suchst eine dritte Chance zum Beruf?

Wenn du dich für eine Ausbildung in einer Produktionsschule interessierst, hast du wahrscheinlich viele Fragen. Das ist ganz normal. Und weil uns manche Fragen immer wieder gestellt werden, haben wir die Antworten kurz mal zusammengefasst.

Was sind Produktionsschulen?

Die Produktionsschulen in Deutschland wirken sehr jung und zeitgemäß. So, als wären sie gerade gestern erst erfunden worden – genau für junge Menschen von heute.

In Wahrheit blicken die Produktionsschulen auf eine lange Tradition zurück. Der pädagogische Ansatz hat viele europäische Einflüsse. In Deutschland basiert er auf der Reformpädagogik des Bundes Entschiedener Schulreformer aus den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts.

Die gefühlte Unzufriedenheit mit dem klassischen Bildungssystem gibt es also schon länger. Und ebenso die Bemühungen, die fehlende dritte Stütze im System endlich zu ergänzen.

So eine dritte Chance gehört in jede Stadt!